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Barrierefreiheit (Accessibility) von Webseiten

Wie gestalte ich Seiten barrierefrei? Was ist eigentlich Barrierefreiheit? Und was soll das alles überhaupt?

Auf dieser Seite:

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Begriffsbestimmung Barrierefreiheit

Der englische Begriff Accessibility heißt wörtlich übersetzt Zugänglichkeit, wird aber heute meist mit Barrierefreiheit übersetzt. Damit ist gemeint, dass jeder Besucher einer Webseite auch Zugang zu Ihrem Inhalt erhält und nicht durch (unnötige, zusätzliche) Barrieren davon abgehalten wird.

Barriefreiheit heißt nicht, zu den "normalen" Seiten eine nur-Text-Alternative zu bieten, sondern die Seiten so zu gestalten, das sie "alles" können. Barrierefreiheit bedeutet auch nicht, auf alles "nettes" Beiwerk zu verzichten. Eine bunte Flash-Animation auf der Seite behindert die Barrierefreiheit nicht, solange die Navigation funktioniert und die wichtigen Inhalte erreichbar sind.

Barrieren, wie sie durch die BITV ausgeräumt werden sollen, entspringen den eingeschränkten Möglichkeiten behinderter Besucher einer Webseite in Zusammenhang mit dem gedankenlosen Einsatz der Möglichkeiten des WWW. Hierbei geht es nicht darum, vollständig auf Bilder oder multimediale Ergänzungen zu verzichten, sondern diese maßvoll und mit Verstand einzusetzen.

Blinde können zum Beispiel keine Grafiken "lesen". Wenn diese aber mit Alternativtexten versehen sind, dann können auch Blinde Zugang zum Inhalt der Seite erhalten.

Barrieren können aber auch durchaus rein technischer Natur sein: JavaScript, Cockies oder Plugins wie Flash können eine unüberwindliche Barriere auch für gesunde Menschen darstellen.

Viele Menschen haben keinen Einfluss auf die Konfiguration ihres Browsers. Zum Teil, weil Sie das technische Verständnis bzw. die benötigten Kenntnisse nicht haben. (Warum auch? Können Sie das Ventilspiel an Ihrem Auto einstellen?) Zum Anderen, weil sie in Firmen oder Internet-Cafes zum Teil keinen Zugang zu den Einstellungen bekommen. Wenn zusätzliche Technologien wie JavaScript nur dort eingesetzt werden, wo sie zwingend benötigt werden, oder wenn die Inhalte auch mit reinem HTML erreicht werden können, dann werden diese Menschen nicht unnötig ausgesperrt.

Auch Menschen mit allerneuester Technik haben mit vielen Barrieren zu kämpfen, da z. B. große Grafiken und JavaScript auf UMTS-Handys einfach nicht gut funktionieren.

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Warum überhaupt dieser Aufwand?

Warum stellen Sie Seiten ins Web? Damit Menschen sie lesen! Warum wollen Sie dann Barrieren aufbauen, um den Menschen den Zugang zu Ihren Seiten zu erschweren?

Insbesondere, wenn Sie womöglich mit Ihrem Webauftritt Geld verdienen wollen, ist jeder Besucher wertvoll. Da macht es wenig Sinn, Barrieren zu errichten, die potenzielle Kunden aussperren (nachdem sie endlich auf Ihrer Seite gelandet sind).

Menschen mit Behinderungen, Senioren mit Sehschwächen und Menschen ohne (nennenswerte) Computerkenntnisse vereinigen eine beträchtliche Menge an Kaufkraft. Wer auf diese Zielgruppen verzichten kann, dem muss es ziemlich gut gehen.

Eine weitere sehr wichtige Zielgruppe ist dummerweise ganz extrem behindert: die Suchmaschinen. Sie können nur Text lesen. Sie beherrschen weder Cockies noch JavaScript und können weder Flash noch Grafiken lesen. Also: eine barrierefreie Seite ist gleichzeitig auch gut für Suchmaschinen.

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Was kostet Barrierefreiheit?

Weniger als man denkt. Ernsthaft, mit der Barrierefreiheit von Webseiten ist es wie mit behindertengerechten Wohnungen: Wenn man es gleich richtig macht, kostet es kaum was. Wenn man allerdings nachträglich umbauen will, wird es meist deutlich teurer.

Viele unnötige Barrieren sind einfach nur die Folge schlechter "handwerklicher" Arbeit.

Wichtig ist es, die richtigen Fragen zu stellen. Die richtige Frage lautet nicht "Was kostet es eine JavaScript-Navigation barrierefrei zu machen?", sondern "Was kostet es mehr, statt einer normalen (automatisch barrierefreien) HTML-Navigation eine barrierefreie JavaScript-Navigation zu erstellen?".

Bevor Sie einen Webdesigner beauftragen, schauen Sie sich dessen Seiten mal mit ausgeschaltetem JavaScript (beim Internet Explorer: active scripting), ausgeschalteten Grafiken und ausgeschalteten Cockies an.

Wenn Sie dann mit den Seiten nicht mehr zurecht kommen, beherrscht er sein Handwerk nicht.

Wenn Sie dann gar nicht erst auf die Seiten kommen, sondern einen Hinweis erhalten wie "Diese Seiten funktionieren nur mit JavaScript", dann weiß er es sogar.

Wenn man bei einer Treppe das Treppengeländer nicht stabil ausführt, kann man sich nicht dadurch aus der Affäre ziehen, dass man ein Schild "Betreten auf eigene Gefahr" aufstellt - es bleibt ein handwerklicher Mangel.

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Wie viel Barrierefreiheit braucht man?

Ein vollständig barrierefreier Webauftritt ist natürlich ein schönes Ziel. Allerdings kann man meist mit wenig Aufwand bereits die größten Barrieren beseitigen und hat damit weit mehr erreicht, als wenn man den "ganz großen Umbau" lange vor sich her schiebt.

Die Eingangseite (Homepage), das Impressum, die Kontaktseite und die Anfahrtbeschreibung sollten vollständig barrierefrei sein. Auch die Navigation sollte (zumindest als Rückfallebene) mit reinen HTML-Links funktionieren.

Barrierefreiheit erfordert Kompromisse! Die Seite sieht im "Referenzbrowser des Auftraggebers" vielleicht nicht 100% optimal aus. Dafür funktioniert sie aber bei den potenziellen Kunden besser.

"Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler."

Was ist das Ziel der Seiten, optimale Optik auf dem Bildschirm des Auftraggebers oder optimaler Umsatz mit den Seiten?

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Schritte zur Barrierefreiheit

Mit den folgenden Schritten beseitigt man die größten Barrieren. Wer alle diese Schritte umsetzt, ist von einem barrierefreien Webauftritt nicht mehr weit entfernt:

Keine Frames

Frames waren eine Browsererweiterung von Netscape, die nicht zum WWW kompatibel sind. Sie bereiten viele Probleme, bieten aber keinen echten Vorteil.

Für viele Nachteile von Frames gibt es Workarounds. Aber eben nicht für alle. Nicht zuletzt erhöhen diese Workarounds den Aufwand für die Webseiten deutlich. Und wofür das?

Alternativtexte

Das im HTML-Standard obligatorische alt-Attribut für Grafiken (und Objekte) dient dazu, einen Text anzugeben, der angezeigt wird, wenn die Grafik nicht angezeigt werden kann oder soll.

Rückfallebene für JavaScript

Für alle JavaScript-Funktionen, die zur Funktion der Seite benötigt werden muss es eine Alternative geben, die verwendet werden kann, wenn JavaScript nicht vorhanden oder abgeschaltet ist.

JavaScript-Funktionen, für die es keine Alternative gibt, müssen mit JavaScript auf die Seite geschrieben werden. So wird sichergestellt, dass die Seite keine Elemente enthält, die nicht funktionieren.

Die richtige Schriftgröße

Die richtige Schriftgröße ist die, die der Besucher in seinem Browser eingestellt hat! Schriftgrößen für Überschriften etc. sollten relativ zu dieser (in em) angegeben werden. Schriftgrößen unter 0.9em sollte man vermeiden.

Wenn die Schrift zu klein ist, wird das Lesen anstrengend. Dann lesen die Besucher die Texte nicht mehr, sondern überfliegen die Seite nur noch. Da kann man sich die Mühe, Texte zu formulieren, gleich sparen.

Sichtbare Kontraste

Insbesondere für Text, aber auch für Grafiken sollten Farben gewählt werden, die gut sichbare Kontraste - auch für Menschen mit Sehschwächen - bilden. Hellgraue Schrift auf mittelgrauem Untergrund sieht zwar schick aus, kann aber von viele Menschen nicht gelesen werden.

Der Text auf einer Webseite dient nicht dazu, auf einer Präsentation unter optimalen Sichtverhältnissen betrachtet zu werden, sondern er soll von Menschen gelesen werden. (Sonst könnte man auch einfach Blindtext verwenden.)

Flüssiges Layout

Das Layout sollte sich weitestgehend an die Fenstergröße und die Schriftgröße anpassen können. Es fließt praktisch auf den Bildschirm.

Dies ist der wesentlichste Unterschied zwischen Print- oder Grafikdesign und Webdesign: Im Web bestimmt das Ausgabegerät was wie angezeigt wird. Ein guter Webdesigner™ kann damit umgehen. Einer, der mit technischen Tricks versucht, die in die Browser eingebauten Skalierungsmöglichkeiten auszumanövrieren, hat des Prinzip von HTML nicht verstanden.

Urheber © Dr. Joachim Wiesemann

Letzte Aktualisierung: 27.5.2006

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Verweise (Links)