Leider sind manche Seiten wirklich so übel, dass sie im wesentlichen als Abschreckung zu gebrauchen sind. Oder als schlechte Beispiele, aus denen man lernen kann.
Dies ist die alte Hall of Shame aus dem Jahr 2003. Sie existiert hier aus historischen Gründen weiter. Die aktuelle Version ist hier zu finden: die Hall of Shame.
Ich werde hier bestimmt nicht über private Seiten von Hobby-Webdesignern herziehen. Jeder fängt mal klein an und gerade beim Webdesign gibt es doch recht viel zu lernen.
Wohl aber vergieße ich meinen Spott gern über sogenannte Fachleute, die arglosen Auftraggebern für (teilweise viel) Geld eine schlechte Visitenkarte andrehen. Hier dürften einige Fehler wirklich nicht passieren.
Ich versuche die einzelnen Beispiele nach Rubriken zu ordnen, aber die ganz schlechten Seiten passen meist in alle Rubriken.
Nicht alle Beispiele hier sind extrem schlecht. Einige sind im großen und ganzen ok, aber ich kann an ihnen das ein oder andere Problem zeigen.
Dieser ist meist auch mit schlechtem HTML (siehe unten) verbunden. Hauptsächlich macht er sich aber durch überflüssige Barrieren und Ignoranz gegenüber den möglichen Wünschen der Kunden (ohne Grafiken surfen, anderen Browser benutzen) bemerkbar.
Manchen ist das "Optimiert für IE ..." so wichtig, dass sie es extra
in die Titelzeile des Browsers schreiben. So gesehen bei
www.manemax.de
(Bild: So sah es aus).
Links und normaler Text sind optisch nicht zu unterscheiden. Wer sich
nicht auskennt, kommt gar nicht auf die Idee, dass es noch weitere Seiten
geben könnte. Dazu kommen dann noch sprachliche Feinheiten: "Profitieren
auch Sie von ..." vs. "Wir erfüllen eure wünsche !" Am Ende noch einmal der
Hinweis auf die primäre Optimierung. Eine Optimierung auf gültiges HTML fand
offensichtlich nicht statt: 88 Fehler
(Stand 9.12.2002).
Immer wieder beliebt sind Seiten wie www.Visio-Medien.de, die (fast) alle Informationen nur als
Grafik vorliegen haben
(Bild: So sah es aus).
Noch schöner wird es dann mit den Bildern, wenn (fast) alle Texte blau sind
und man wieder raten darf, was ein Verweis (Link) ist und was nicht
(Bild: So sah es aus).
Eine Optimierung auf gültiges HTML hat
offensichtlich nicht stattgefunden: 25 Fehler
(Stand 9.12.2002).
Auch sehr gut ist es, wenn man bereits auf der Einstiegsseite
beweist, dass man mit allerneuesten Technologien umgehen kann.
Potentielle Kunden, die das nicht können, sind bei
www.derBauer.de wohl nicht erwünscht
(Bild: So sah es aus).
Auf die Spitze treibt es allerdings Roland Mösl der in Newsgroup-Beiträgen
sein sog. Multi-Layout anpreist, welches dann zu so aufregenden
Erlebnissen wie dem hier gezeigten führen: Die Werbeseite für das Multi-Layout.
(Bild: So sah es aus,
aufgenommen mit Mozilla 1.3 bei 1400*1050 Pixeln Bildschirmauflösung,
JavaScript aktiviert). Keine Angst, mit IE 6.0 (ohne JavaScript, ich bin
doch nicht blöd) sieht es nicht viel anders aus. Die Zuordnung von Roland
Mösl zu dieser Seite gelingt nur auf Umwegen, denn das gesetzlich
vorgeschriebene Impressum ist auf www.wds-internetwerbung.com
mit Mozilla leider nicht zu finden
(Bild: So sah es aus).
Wer Webdesigner mit solchen Visitenkarten beauftragt, ist dann wohl selbst schuld.
Manche belassen es nicht bei bloßen Hinweisen, sie machen ernst:
Die Firma Mazak will partout keine Kunden, die noch ältere
Browser einsetzen. Wer z. B. einen Netscape Navigator 4.x einsetzt,
wird eiskalt ausgesperrt.
(Bild: So sah es aus).
Wie man leicht sieht, gibt es auch keinen Link, mit dem man trotzdem herein
kommt. Sicherheitshalber wird nicht einmal eine Kontaktmöglichkeit
geboten. Kunden, die so alte Browser benutzen, sollen gefälligst
wo anders kaufen. Ach so, der Hinweis auf "W3C Standard HTML 4" ist
(natürlich) eine Finte: 39 Fehler
(Stand 11.12.2002) allein im Frameset.
Die Firma Osram beweist, dass dies nicht nur kleinen Firmen
passiert. Die Firma Osram verwendet JavaScript, das den Opera
Browser zum Absturz bringt. Damit sowas nicht passiert wird - richtig
geraten - Opera ausgeschlossen
(Bild: So sah es aus).
Da soll ich mir lieber einen IE auf meinem
Linux installieren.
Nach diesem Empfang sehe ich die Welt in einem neuen Licht.
Selbst Firmen, die sich mit Kommunikation beschäftigen
haben es nicht nötig, mit jedem zu kommunizieren.
Die Firma Vodafone will zwar, dass Kunden an jedem Ort der Welt ins
Internet gehen können, aber bitte nur mit einem modernen grafischen
Browser, der JavaScript aktiviert hat und Cookies bedient. Wie man im
Bild sieht, gibt es auch keinen Weg, trotzdem hineinzukommen.
Mein PDA, der über UMTS ins Netz geht, muss draußen bleiben!
Die Firma PHOSPHORE allerdings schägt dem Fass den Boden aus:
"unser web-site ist für eine bildschirmauflösung von 800 x 600
pixel optimisiert." und dann "möchten sie auf eine angenehme art
im internet surfen, bleibt ihnen leider nichts anderes übrig, als
einen bildschirm mit dieser auflösung zu kaufen."
(Bild: So sah es aus)
- ohne Worte -
Bei diesen Beispielen (die es wirklich zu Hauf gibt) braucht man sich nicht zu wundern, wenn viele Unternehmen feststellen, dass der Internetauftritt nicht so lohnenswert ist, wie erwartet.
Es ist schon unglaublich, was manche Menschen auf Ihre Webseiten schreiben.
Dass viele Menschen auf den Link-Disclaimer hereinfallen, ist ja allgemein bekannt. Aber auch Fachleuten fehlt anscheinend manchmal die Kompetenz zu erkennen, welchen Blödsinn sie da abschreiben. Wie sonst kann man sich erklären, dass z. B. die Rechtsanwaltskanzlei Herrle (erster Interessenschwerpunkt: Internetrecht!) diesen Abwehrzauber in ihrem Impressum stehen hat? Aber sie befindet sich da in reichlicher, schlechter Gesellschaft: Eine Google-Suche findet direkt dutzende Kanzleien, deren Impressum ähnlich aussieht. Armes Deutschland!
Das Unternehmen Hempel-Media zeigt sehr schön, warum man keine Frames verwenden sollte. (Bild: So sah es aus).
Wenn man die Schrift vergrößert (was manche Menschen müssen, um sie lesen zu können) verschwinden Teile der Navigation und des Textes. Dafür kann man kein Lesezeichen auf eine Seite setzen. Und wenn man zufällig über eine Suchanfrage auf die Seite kommt, dann hat man kein Frameset sondern eine Seite ohne Navigation. Vielleicht hätte Herr Hempel mal den Inhalt seiner Seite lesen sollen: "doch nicht alles was möglich ist, ist auch sinnvoll".
Dass die Seite natürlich nicht valide ist und auch noch den unsäglichen Link-Disclaimer
enthält, passt dann gut ins Bild.
Leider ist standardkonformes HTML keine Garantie dafür, dass es jeder Browser richtig darstellt. Es gibt sogar ein paar Stellen, wo man den Standard verbiegen muss, um die gewünschte Darstellung auf allen Browsern zu erhalten. Die Ursachen hierfür sind zum einen die Entwicklung des Standards, aber im Wesentlichen die fehlende Unterstützung des Standards durch die Browser.
Allerdings kann dies alles keine Entschuldigung für schlechtes, syntaktisch falsches HTML sein. Mit einer einfachen, kostenlosen (!), automatischen Validierung können meisten Fehler sehr schnell und einfach gefunden und beseitigt werden.
Wenn man www.Bild.de dem Validator des W3C zum Fraß vorwirft, erhält man folgendes Ergebnis: 14 Fehler (Stand: 9.12.2002). Davon ausgehend, dass es sich hier um eine fast leere Datei handelt (es ist nur eine Framesetdefinition mit fehlerhaftem <noframes>-Teil) ist das schon eine ganze Menge!
Die Seite www.Stern.de macht echte Fortschritte. Vor dem Relaunch meldete der
Validator des W3C beim Prüfen des damaligen HTML
480 Fehler (Stand: 9.12.2002).
Nach dem erfolgreichen Relauch als XHTML waren es dann
1007 Fehler (Stand 1.8.2003).
Inzwischen sind es nur noch 51 überflüssige Fehler
(Stand 14.12.2003).
Herzlichen Glückwunsch!
Wenn man z. B. www.Spiegel.de dem Validator des W3C zum Fraß vorwirft, erhält man folgendes Ergebnis: 317 Fehler (Stand: 9.12.2002). Als erstes ist keinerlei DOCTYPE definiert. Ich habe hier HTML 4.01 Transitional gewählt, weil einige Tags verwendet werden, die in HTML 3.2 noch nicht vorhanden waren. Ansonsten spricht dieses Ergebnis wohl für sich :-(.
Wenn man z. B. www.Focus.de dem Validator des W3C zum Fraß vorwirft, erhält man folgendes Ergebnis: 1690 Fehler (Stand: 9.12.2002). - ohne Worte -
Bei keiner dieser Seiten ist davon auszugehen, dass sie von Hobbykünstlern nebenberuflich erstellt wurden. Hier waren "Fachleute" am Werk. Armes Deutschland.
Urheber © Dr. Joachim Wiesemann
Letzte Aktualisierung: 1.6.2006
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