Seiten über gutes Webdesign, Usability (Benutzbarkeit) und Accessibility (Zugänglichkeit) mit HTML und CSS.
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Optimiert für ... Besucher?

Das ist ein hehres Ziel: Seiten so zu entwerfen, dass sie den Besucher einladend empfangen und ihn oder sie schnell zu der Stelle führen, die er sucht.

Leider gibt es hierfür kein Patentrezept. (Und selbst wenn es eines gäbe, würden es die meisten wohl nicht anwenden, denn viele Seiten im Netz erfüllen nicht einmal einfachste Standards.) Wesentlich ist aber schon die Grundeinstellung: Ich muss meine Seite(n) an die Wünsche und Bedürfnisse meiner Besucher anpassen. Und nicht umgekehrt.

Keine Seite kann optimal für alle Nutzer des WWW sein. Allein die Sprache schließt bereits den größten Teil der weltweiten Surfergemeinde aus. Aber die Seiten sollten für diejenigen gut zu gebrauchen sein, für die ihr Inhalt interessant ist.

Das Problem beim WWW ist allerdings, dass man die Besucher seiner Seiten gar nicht kennt. Auch wenn man ab und an eine Mail mit positiver oder negativer Kritik bekommt, so weiß man doch nie, wie repräsentativ diese Meinung ist. Diese Seite soll ein wenig helfen, Licht ins Dunkel zu bekommen.

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Die Zielgruppe(n)

Um mich auf meine Besucher einrichten zu können, muss ich erst einmal meine Zielgruppe kennen.

Das können Freunde und Bekannte bei einer privaten Homepage sein. Hier weiss der Verfasser meist recht genau, wie er auf diese eingehen kann und womit sie zurechtkommen. Und wenn es Probleme gibt, werden sie es ihm vermutlich sagen.

Das können an einem bestimmten Thema Interessierte sein, wie bei diesen Seiten. Das Layout und die Menge an Spielereien sollte sich dann am Thema der Seiten orientieren. Also, eine Seite, die Informationen vermittelt, sollte relativ schlicht, übersichtlich und schnell sein. Eine Fan-Seite für ein Videospiel kann dagegen auch zum Beispiel recht grafiklastig sein. Eine Fan-Seite für ein Adventure darf vielleicht auch gezielt unübersichtlich sein, weil die typischen Besucher dieser Seiten Spaß am Suchen nach Informationen haben.

Das können bei einer Firmenseite oder einem Shop potenzielle Kunden sein. Hier ist es besonders wichtig, sofort einen positiven Eindruck zu machen. Also übersichtlichen Zugang zu allen interessanten Punkte anbieten. Störende Dinge unterlassen! (siehe optimiert für niemanden) Auf schnellen Seitenaufbau achten.

Es kann - je nach Thema der Seite - nicht davon ausgegangen werden, dass nennenswerte Kenntnisse über das WWW als solches und die Bedienung des eigenen Browsers bei den Besuchern vorhanden sind. Entsprechend sollte der niedrigst mögliche Anspruch an diese Fähigkeiten gestellt werden.

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Der gemeine Internetbenutzer

Obwohl es inzwischen viele Untersuchungen zum Nutzerverhalten gibt, scheinen die meisten Webdesigner deren Ergebnisse vollständig zu ignorieren. Zugegeben, viele Internetbenutzer sind wirklich gemein:

1. Gemeinheit: Internetbenutzer sind extrem ungeduldig

Nach durchschnittlich 8,6 Sekunden ist der gemeine Internetbenutzer das Warten auf die neue Seite leid. Inhalte, die deutlich länger brauchen, nerven ihn oder sie bereits.

Webseiten sollten sich also schnell aufbauen. Einzelne Teile (z.B. große Bilder), die etwas später erscheinen sind dabei tolerierbar, wenn sich das Layout dadurch nicht ändert.

Die meisten Nutzer überfliegen eine Seite nur, statt ihren Inhalt wirklich zu lesen. So bleibt meist die Hälfte des Textes auf der Strecke. Damit besteht natürlich auch das Risiko, dass das entscheidende Stichwort übersehen wird und der Besucher auf eine andere Seite entschwindet.

Webseiten (zumindest Startseiten) sollten wenig Überflüssiges oder Ablenkendes enthalten. Sie sollten übersichtlich strukturiert sein und leicht verständliche Inhalte bieten.

2. Gemeinheit: Internetbenutzer haben ihren eigenen Willen

Wenn ein Internetbenutzer etwas sucht, dann will er meist auch nichts anderes. Seiten, die durch Tricks in den Suchmaschinen auch bei Begriffen auftauchen, die nichts mit ihrem Inhalt zu tun haben, sind schneller wieder verlassen, als sie geladen werden können: Die am häufigsten benutzte Funktion im Browser ist die Zurück-Taste! Die nächste Webseite ist immer nur einen Mausklick entfernt.

Lieber klar und übersichtlich zeigen, was es auf dieser Seite gibt. Wenn das den Besucher nicht interessiert, wird er sowieso nicht bleiben.

3. Gemeinheit: Internetbenutzer hassen alles, was Spaß macht

Die meisten Benutzer sind von allem was blinkt oder sich hektisch bewegt nur genervt. Insbesondere alles was Ähnlichkeit mit einem Werbebanner hat, wird gezielt übersehen. Selbst das für viel Geld realisierte Flash-Intro mögen sie nicht. Statt dessen maulen sie über die zusätzliche Ladezeit und blödsinnige Kompatibilitätsprobleme.

Auch wenn Designer damit viel Geld verdienen können und es deshalb empfehlen: Kein Intro! Keine Bewegung auf der Seite, die nicht erforderlich ist. (Außer die Zielgruppe will es wirklich so [Bei Livestyleprodukten für Kinder und Jugendliche wird man um viel Animation und Sound wohl nicht herum kommen.])

Da hat man extra eine schöne Melodie zur Untermalung seiner hübschen Seite gefunden (und zahlt womöglich noch Gebühren an die GEMA) und dann sagen einem die Besucher, dass sie die Seite wegen der Musik nicht mehr besuchen wollen. (Nur weil den Kollegen im Großraumbüro jedesmal auffällt, dass wieder jemand privat surft.)

Wenn Musik sein soll, dann muss sie beim Laden der Seite ausgeschaltet sein. Dazu kann es einen gut sichtbaren Knopf geben, um diese ein- und wieder auszuschalten.

4. Gemeinheit: Internetbenutzer sind häufig schlecht ausgerüstet

Obwohl die Telekom sich seit Jahren Mühe gibt, surfen immer noch ca. 40% der Internetnutzer mit einem Modem. Und viele weigern sich auch hartnäckig, alle 2 Jahre den neuesten PC zu kaufen. Trotzdem verlangen sie gemeinerweise, mit dieser Ausrüstung zügig im WWW surfen zu können. Und darauf läuft womöglich auch noch die Software aus der Zeit, als der Computer neu war. (Alter Internet Explorer, altes Flash Plugin, ...)

Auch in Zeiten von Pentium4 und DSL sind Dateigrößen und aufwändige Flash-Animationen häufig ein Problem. Wenn es keinen zwingenden Grund gibt (z.B. extrem anspruchsvolle Zielgruppe) lieber nicht die neuesten Technologien einsetzen. Weniger ist hier häufig mehr.

5. Gemeinheit: Internetbenutzer beherrschen die Technik nicht

So sind die Menschen: durchs Internet surfen sie, aber ein Plugin installieren können sie nicht. Auch so einfache Dinge wie das Verstellen der Schriftgröße in ihrem Browser ist nicht ihr Ding. (Nunja, welcher Autofahrer kann schon den Zündzeitpunkt seines Wagens einstellen?)

Keine hohen Ansprüche an das technische Verständnis der Besucher stellen. Die einzigen Browserfunktionen, die praktisch alle Surfen beherrschen sind: Zurück und Beenden. Ein Link sollte wie ein Link aussehen, ein Button wie ein Button und ein Scrollbar wie ein Scrollbar, sonst werden sie nicht gefunden.

6. Gemeinheit: Internetbenutzer verstehen kaum Fachbegriffe

Viele Fachbegriffe die unter Webdesignern und erfahrenen Surfern geläufig sind, sagen "normalen Menschen" wenig oder das Falsche. Da stellt man ihnen extra eine Sitemap zur Verfügung und was ist? Die Besucher benutzen sie nicht, weil ihnen das Wort nichts sagt (zumindest 45% von ihnen).

Auch wenn viele deutschsprachige Menschen englisch sprechen, so gehören englische (Computer-)Fachbegriffe (leider) nicht zum allgemeinen Vokabular. Also sind passende deutsche Begriffe meist vorzuziehen.

7. Gemeinheit: Internetbenutzer kommen nie durch die Vordertür

Die wenigsten Besucher betreten eine Web Site über die Startseite. Die meisten landen über eine Suchmaschine wie z. B. Google auf einer beliebigen Unterseite. Und finden dann von da aus nicht weiter! (Weil die Seite leider innerhalb eines Framesets liegt und selbst keine Navigationsmöglichkeiten enthält.)

Keine Frames einsetzen! Auf jeder Seite deutliche Navigationsmöglichkeiten anbieten.

Eine einfache Möglichkeit, obiges Problem zu umgehen, ist, die ganze Website als Flash anzulegen. Dann kann niemand ein Lesezeichen auf eine Seite, die innerhalb ist, legen. Und auch keine Suchmaschine kann diese Seiten indizieren. Womit man sicher alle "Quereinsteiger" los ist. Die werden diese Seiten nie besuchen!

Keine Websites (ganz) in Flash! Wenn es sinnvoll ist, können einzelne Elemente innerhalb einer Seite, in wenigen Fällen auch einzelne Seiten, in Flash implementiert werden. Aber die Startseite sowie die Navigation sollte immer reines HTML sein.

Urheber © Dr. Joachim Wiesemann

Letzte Aktualisierung: 27.5.2006


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Verweise (Links)

Fakten, Studien und Artikel über Nutzerverhalten etc.